Offenbarung 13 – Die zwei Tiere

A. Das Tier, das aus dem Meer aufsteigt

1. Johannes` Vision von einem Tier, das aus dem Meer steigt

Offenbarung 13, 1

Offenbarung 13, 1
Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Köpfen einen Namen der LÀsterung.

  1. Und ich sah aus dem Meer 
 aufsteigen: In Offenbarung 12 hatte Johannes in seiner Vision vor allem den Himmel im Blick. Nun verlagert sich der Schauplatz seiner Vision auf die Erde und er sieht etwas aus dem Meer aufsteigen.
    1. Heute lieben viele Menschen das Meer, aber zu biblischen Zeiten war das Meer fĂŒr das jĂŒdische Volk ein wilder, ungezĂ€hmter, beĂ€ngstigender Ort. Das alte Israel unter Salomo hatte zwar eine Schiffsflotte, aber der König Hiram von Tyrus stellte die nötigen Seeleute dafĂŒr (1. Könige 9, 26-27).
    2. Das alte Israel war dem Meer gegenĂŒber sehr misstrauisch. Es galt als eine Gestalt des Bösen und des Chaos, das sich Gott zu widersetzen schien. Obwohl dieser Widerstand natĂŒrlich zwecklos war:
      1. Gott ist ja mein König von Urzeit her, der Rettung gab in diesem Land. Du teiltest das Meer durch deine Kraft, du zerschlugst die Köpfe der Drachen auf dem Wasser. (Psalm 74, 12-13)
      2. O HERR, Gott der Heerscharen, wer ist mĂ€chtig wie du, HERR? Und deine Treue ist um dich her! Du beherrschst das ungestĂŒme Meer; wenn sich seine Wogen erheben, so stillst du sie. (Psalm 89, 9-10)
      3. Aber die Gottlosen sind wie das aufgewĂŒhlte Meer, das nicht ruhig sein kann, dessen Wasser Schlamm und Kot aufwĂŒhlen. (Jesaja 57, 20)
  2. Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen: Aus dem Ort, der mit dem Bösen und dem Chaos gleichgesetzt wird und sich Gott widersetzt, kommt ein Tier hervor. Die Bedeutung des altgriechischen Wortes, das hier mit ‚Tier‘ ĂŒbersetzt wird, beschreibt ein wildes, gefĂ€hrliches Tier, eine Bestie. Weil Johannes es hier ein Tier nennt und nicht einen Drachen (wie in Offenbarung 12, 3), handelt es sich bei dem Tier nicht um den Satan, denn dieser wurde als Drache dargestellt (Offenbarung 12, 9).
  3. Das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte: Obwohl sich dieses Tier vom Drachen aus Offenbarung 12 unterscheidet, besteht doch ein enger Zusammenhang. Es ist nicht der Drache, aber es ist ihm gleich, denn auch der Drache hatte sieben Köpfe und zehn Hörner (Offenbarung 12, 3).
    1. Jede Kreatur mit sieben Köpfen wĂ€re schwer zu töten, denn wenn man einen Kopf verwundet, bleiben immer noch sechs ĂŒbrig. In biblischen Bildern drĂŒcken Hörner Kraft und Macht aus. Ein Stier mit zwei Hörnern ist eine mĂ€chtige Kreatur, aber ein Tier mit zehn Hörnern hat umso mehr Kraft – genau wie der Drache in Offenbarung 12, 3.
    2. Diese Ähnlichkeit mit dem Satan ist nur eines der Merkmale, das dieses Tier mit dem im Volksmund bekannten Antichristen in Verbindung bringt. Das Wort Antichrist kommt in der Bibel nur fĂŒnf Mal in vier Versen vor (1. Johannes 2, 18; 2, 22; 4, 3 und 2. Johannes 7). 1. Johannes 2, 18 ist ein gutes Beispiel: Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind jetzt viele Antichristen aufgetreten; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist. Johannes bezieht sich hier auf eine Person, die in der Vorstellung vieler Menschen existiert, von denen einige nicht einmal die Bibel kennen. Aber die meisten haben keine genaue Vorstellung von dieser Person, die man den Antichristen nennt, außer dem, was sie aus Filmen wie z. B. Das Omen wissen.
    3. Am besten schauen wir uns zunĂ€chst die sprachliche Bedeutung des Titels Antichrist an. Die Vorsilbe anti kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „entgegengesetzt, das Gegenteil von“ oder „anstatt, an Stelle von“. Der Antichrist ist ‚das Gegenteil von‘ Jesus; oder er ist der, der ‚an Jesu Stelle‘ auftritt. Die meisten Menschen haben sich auf die Vorstellung des ‚GegenĂŒber von Jesus‘ konzentriert. Diese fĂŒhrte zu der Vorstellung, dass der Antichrist als eine höchst böse Person erscheinen wird; dass er im selben Ausmaß in dem Jesus Gutes getan hat, Böses vollbringen wird. So wird oft davon ausgegangen, dass, im gleichen Ausmaß wie der Charakter und die Persönlichkeit Jesu schön und attraktiv waren, der Charakter und die Persönlichkeit des Antichristen hĂ€sslich und abstoßend sein wird, und so wie Jesus nur die Wahrheit gesprochen hat, so sehr wird der Antichrist nur LĂŒgen Ă€ußern. Dadurch wird die Vorstellung vom ‚GegenĂŒber von Jesus‘ zu sehr betont. Der Antichrist wird stattdessen eher ein ‚Anstatt-Jesus‘ sein. Er wird wunderbar aussehen, charmant und erfolgreich sein. Er wird der ultimative Gewinnertyp sein und als ein Engel des Lichts erscheinen. In diesem Sinne wird der Antichrist ein satanischer Messias sein, anstatt des wahren Messias Jesus Christus.
    4. In 1. Johannes 2, 18 spricht Johannes sowohl von dem Antichristen als auch von vielen Antichristen. Es gibt einen ‚Geist des Antichristen‘, und dieser ‚Geist des Antichristen‘ wird eines Tages seine endgĂŒltige ErfĂŒllung in dem Antichristen finden, der die Menschheit in einer Endzeitrebellion gegen Gott fĂŒhren wird. Mit anderen Worten: Obwohl die Welt immer noch auf die endgĂŒltige Offenbarung des Antichristen wartet, gibt es einige wenige ‚Vorboten‘ dieses Mannes und seiner kommenden Mission. Doch diese ‚Vorboten‘ werden gemessen am Antichristen eher bescheiden ausfallen.
    5. Obwohl wir diesen kommenden WeltfĂŒhrer gemeinhin den Antichristen nennen, gibt ihm die Bibel viele Namen oder Titel. Wir kennen ihn auch als:
      1. Das kleine Horn aus Daniel 7, 8
      2. Der freche und listige König aus Daniel 8, 23
      3. Der zukĂŒnftige FĂŒrst aus Daniel 9, 26
      4. Der König, der tut, was ihm beliebt aus Daniel 11, 36-45.
      5. Der, der in seinem eigenen Namen kommt, den Israel als Messias annehmen wird, aus Johannes 5, 43.
      6. Der Mensch der SĂŒnde, der Sohn des Verderbens aus 2. Thessalonicher 2, 3
  4. Und auf seinen Hörnern zehn Kronen: Das ist ein Unterschied zwischen dem Tier und dem Drachen aus Offenbarung 12, 3, der auf seinen Köpfen nur sieben Kronen hatte. Die sieben Kronen des Drachens zeigen seine StĂ€rke und Macht, denn sieben ist eine Zahl, die mit StĂ€rke und VollstĂ€ndigkeit in Verbindung gebracht wird. Die zehn Kronen des Tieres dagegen stehen fĂŒr seine Herrschaft ĂŒber zehn Nationen.
    1. Die meisten Kommentatoren gehen davon aus, dass die zehn Hörner auf die sieben Köpfe verteilt sind. David Hocking ist hingegen ĂŒberzeugt, dass sich alle zehn Hörner auf einem der Köpfe befinden. Das Bild der zehn Hörner bringt dieses Tier auch mit dem Tier aus Daniel 7, 7 in Verbindung, welches das letzte Weltreich des Antichristen darstellt, dass der Messias schließlich erobern wird: Nach diesem sah ich in den Nachtgesichten und siehe, ein viertes Tier, furchterregend, schrecklich und außerordentlich stark; es hatte große eiserne ZĂ€hne, fraß und zermalmte und zertrat das Übrige mit den FĂŒĂŸen; es war ganz anders als alle vorherigen Tiere und hatte zehn Hörner. (Daniel 7, 7)
    2. In Daniels Vision stehen die zehn Hörner spezifisch fĂŒr zehn
      Königreiche, ĂŒber die dieser letzte Beherrscher der Welt die AutoritĂ€t hat (Daniel 7, 24). In der Vision von Johannes unterstreichen die zehn Kronen auf den zehn Hörnern diesen Gedanken.
    3. Die Visionen von Daniel 7 und Daniel 2 bringen die durch die zehn Kronen vertretenen Regierungen auch mit dem alten Römischen Reich in Verbindung. In diesen Visionen sah Daniel drei aufeinanderfolgende Weltreiche, auf die jeweils ein viertes folgte – im Zusammenhang der Visionen ist dies eindeutig das Römische Reich. In den Tagen dieses vierten Reiches wird der Messias kommen, alle irdische Herrschaft zerstören und ĂŒber die Erde herrschen. Da wir die Herrschaft Jesu auf Erden jetzt noch nicht in der Weise sehen, können wir davon ausgehen, dass das Römische Reich in gewisser Weise ‚wiederkommen‘ wird. Das ist es, was durch diese zehn Kronen zum Ausdruck kommt.
  5. Und auf seinen Köpfen einen Namen der LĂ€sterung: Jedes der sieben HĂ€upter des Tieres verkĂŒndet GotteslĂ€sterung. Hier ist von mehr die Rede als nur von der Botschaft des Tieres; hier wird der Charakter des Tieres beschrieben. Es ist ein LĂ€sterer, der seine Stimme gegen Gott erhebt (wie in Daniel 7, 25).

2. Die Beschreibung des Tieres aus dem Meer stellt wiederum eine Verbindung zu Bildern aus Daniel 7 her

Offenbarung 13, 2

Offenbarung 13, 2
Und das Tier, das ich sah, glich einem Panther, und seine FĂŒĂŸe waren wie die eines BĂ€ren und sein Rachen wie ein Löwenrachen; und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht.

  1. Glich einem Panther 
 eines BĂ€ren 
 ein Löwenrachen: In dieser Vision benutzte Gott Bilder aus Daniels Vision in Daniel Kapitel 7, um Johannes die IdentitĂ€t und das Wesen dieses Tieres zu vermitteln. Daniel 7 verwendet vier Tiere, um den Verlauf der menschlichen Regierung von Daniels Zeit bis zur endgĂŒltigen Herrschaft Jesu auf dieser Erde zu beschreiben.
    1. Die ersten drei Tiere sind ein Löwe (bei Daniel ein Bild fĂŒr das babylonische Reich), ein BĂ€r (ein Bild fĂŒr das medo-persischen Reich) und ein Panther (ein Bild fĂŒr das griechische Reich). Das vierte Tier war ein schreckliches, unbeschreibliches Tier, das die furchterregendsten Eigenschaften der vorhergehenden Tiere vereint. Es steht fĂŒr das letzte Weltreich, das unter der FĂŒhrung eines satanischen Diktators stehen wird (Daniel 7, 7-8).
    2. Johannes stellt dieses Tier als eine Erweiterung des vierten Tieres aus Daniel 7 dar und verbindet sein Reich mit den Merkmalen der großen Reiche der Vergangenheit. Dieses letzte Weltreich wird die katzentypische Wachsamkeit eines Panthers, die schwerfĂ€llige und zermalmende Kraft eines BĂ€ren und die AutoritĂ€t und Grausamkeit eines Löwen haben.
    3. Da die Tiere in Daniel 7 eher Königreiche als bestimmte Menschen darstellten, denken einige, dass das Tier in Offenbarung 13 keine Person, sondern eine Regierung oder ein kulturelles System ist. Viele glauben, dass das Tier ein allgemeines Bild fĂŒr totalitĂ€re Regierungen ist, insbesondere fĂŒr die totalitĂ€ren Staaten des 20. Jahrhunderts. So schreibt z.B. Mounce: „Das Tier war immer und wird auch immer eine letzte, verschĂ€rfte Manifestation, also die Vergöttlichung der weltlichen AutoritĂ€t sein“ (Mounce). Aber andere sehen das Tier als eine Person, insbesondere den Antichristen – den letzten satanischen Diktator, der die Welt in der Rebellion gegen Gott anfĂŒhrt. Einige (wie David Hocking) kombinieren die AnsĂ€tze und sagen, dass die Bestie eine moderne, totalitĂ€re Weltregierung sei, aber das eine Haupt, das zehn Hörner hat, ist speziell der Antichrist – der FĂŒhrer dieser Bestie einer letzten satanischen Diktatur. Aber bei jedem Imperium, insbesondere bei kurzen Herrschaftszeiten, wird die Regierung fast vollstĂ€ndig mit dem Herrscher identifiziert. Wenn wir an Deutschland in den 1930er und 1940er Jahren denken, sind Adolf Hitler als Person und Nazideutschland als Staat praktisch identisch.
  2. Und das Tier, das ich sah: Alle Hinweise in Offenbarung 13 deuten darauf hin, dass es sich bei dem hier beschriebenen Tier um einen Menschen handelt, auch wenn dieser hier eng mit seiner weltbeherrschenden Regierung in Zusammenhang steht.
    1. „Das Tier wird als Gott angebetet; aber die Menschen haben nie ein Königreich an sich angebetet; ebenso wenig wie sie eine Reihe aufeinanderfolgender Kaiser zum Gegenstand religiöser Verehrung gemacht haben. Die göttliche Huldigung von Königen ist in der Weltgeschichte schon oft ĂŒblich gewesen, aber sie wurde immer nur einzelnen Menschen erwiesen.“ (Seiss)
    2. Ein Bild des Tieres wird aufgestellt und der ganzen Welt befohlen, es anzubeten. Dies ergibt weitaus mehr Sinn, wenn das Tier mehr ein Mensch als ein bestimmtes Reich oder eine bestimmte Regierung ist. Im Laufe der Geschichte haben sich die Menschen oft vor dem Bild eines politischen Machthabers verbeugt.
    3. „Dieses Tier hat auch einen richtigen Namen – einen Namen, der eine bestimmte Zahl ausdrĂŒckt, und diese Zahl ‚die Zahl eines Menschen‘, kann nur auf eine individuelle Person hinweisen.“ (Seiss)
    4. „Dieses Tier ist endgĂŒltig verdammt. Es geht in die Verdammnis, in den Feuersee, wo es weiter existiert und leidet, nachdem es von diesem irdischen Schauplatz gewichen ist (Offenbarung 17, 11; 20, 10). Das kann nicht auf Regierungssysteme zutreffen.“ (Seiss)
    5. Der Antichrist wird auch der Sohn des Verderbens genannt (2. Thessalonicher 2, 3), ebenso wie Judas (Johannes 17, 12). Judas war ein Mensch, kein System und keine Regierung. Daraus folgt, dass auch der Antichrist ein Mensch sein wird.
    6. Vor diesem Hintergrund stimmen wir mit Seiss ĂŒberein: „Wir wĂŒrden daher sowohl von der Heiligen Schrift als auch von der einmĂŒtigen Überzeugung und Lehre der Urgemeinde stark abweichen, wenn wir dieses Tier nicht als eine wirkliche Person anerkennen wĂŒrden, in der aber die politische Macht der Welt schließlich vereint und vertreten ist.“
  3. Der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht: Dieser WeltfĂŒhrer wird tatsĂ€chlich von Satan ermĂ€chtigt und unterstĂŒtzt. Durch diesen Menschen wird Satan sein eigenes Verlangen und seine eigene AutoritĂ€t zum Ausdruck bringen. Dabei nimmt das Tier das Angebot an, das Jesus abgelehnt hat (MatthĂ€us 4, 8-10).
    1. Das Tier ist kein gewöhnlicher Mensch. Es wird das Tier genannt, das aus dem Abgrund heraufsteigt (Offenbarung 11, 7; 17, 8) und gewöhnliche Menschen kommen nicht von dort. „Einer, der von dort herkommt, muss entweder ein toter Mensch sein, der von den Toten auferweckt wurde, oder irgendein böser Geist, der von einem lebenden Menschen Besitz ergreift 
 In beiden FĂ€llen ist das Tier als Person ein außergewöhnliches und ĂŒbernatĂŒrliches Wesen.“ (Seiss)
    2. Es kann sein, dass Satan selbst von diesem Mensch Besitz ergreift und es das ist, was ihn außergewöhnlich macht. Dies war bei Judas, der vom Satan besessen war, der Fall (Johannes 13, 27).

3. Das Tier und seine Wunde

Offenbarung 13, 3

Offenbarung 13, 3
Und ich sah einen seiner Köpfe wie zu Tode verwundet, und seine Todeswunde wurde geheilt. Und die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach.

  1. Einen seiner Köpfe wie zu Tode verwundet: Hier geht es um eine Kopfwunde, eine tödliche Wunde, keine oberflÀchliche Verletzung. Vielleicht ist sie das Ergebnis von Gottes Gericht gegen das Tier.
  2. Und seine Todeswunde wurde geheilt: Die Genesung des Tieres erhöht seinen Ruhm und seine AutoritĂ€t (die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach). SpĂ€ter (in Offenbarung 13, 12 und 13, 14) wird diese Heilung noch zwei Mal erwĂ€hnt, und zwar im Zusammenhang mit der Anbetung und Hingabe der Welt gegenĂŒber dem Tier.
    1. Wird das Tier nicht als Mensch, sondern als Regierung verstanden, wĂ€re das Wiederauferstehen des Römischen Reiches die ErfĂŒllung der Prophetie aus Daniel 7. Somit war das Römische Reich tot, wird aber wiederbelebt werden und die Welt in Staunen versetzen. Eine naheliegendere Interpretation von Offenbarung 13 wĂ€re jedoch, dass Johannes hier von einem Menschen spricht, der tödlich verwundet und dann geheilt werden wird. Der Mensch wird ein wiedererstarktes Römisches Reich mit seiner ganzen Persönlichkeit fĂŒhren – aber er als Person und dieses römische Imperium sind nicht genau dasselbe.
  3. Verwundet 
 geheilt: Hier geht es wirklich um einen Antichristen, jemanden, der Jesus sogar in seinem Tod und seiner Auferstehung nachahmt. Die Welt wird ihm glauben und er wird so zu Ruhm und Macht kommen.

4. Die AutoritÀt und Bekanntheit des Tieres

Offenbarung 13, 4

Offenbarung 13, 4
Und sie beteten den Drachen an, der dem Tier Vollmacht gegeben hatte, und sie beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich? Wer vermag mit ihm zu kÀmpfen.

  1. Und sie beteten den Drachen an, der dem Tier die Vollmacht gegeben hatte: Wenn die Menschen dieses Tier anbeten und sich vor seiner Herrschaft verneigen, wissen sie vielleicht gar nicht, dass sie damit Satan selbst anbeten. Dennoch ist es so: Sie erweisen sowohl dem Tier als auch dem Drachen Ehre, auch wenn dies unbewusst geschieht.
    1. Obwohl Teufelsanbetung immer populĂ€rer wird, praktiziert doch nur ein winziger Bruchteil der Menschen diese offen. Das liegt vor allem an der Vorstellung, dass Satan grausam und furchterregend auftreten mĂŒsste. Diese Annahme ist allerdings falsch, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich als Diener der Gerechtigkeit verkleiden aber ihr Ende wird ihren Werken entsprechend verlaufen. (2. Korinther 11, 14-15)
  2. Wer ist dem Tier gleich? Wer vermag mit ihm zu kĂ€mpfen? Die Welt wird ĂŒber die Macht des Tieres staunen und glauben, dass es so mĂ€chtig ist, dass man es nicht besiegen kann. Eine Zeit lang wird das Tier wie ein gewaltiger Sieger aussehen. Wenn es Jesus lĂ€stert und Gottes Volk verfolgt, werden Gott und Jesus – fĂŒr eine kurze Zeit – wie völlige Verlierer aussehen.
    1. Sie beten das Tier und den Drachen hinter dem Tier an, einfach weil das Tier so viel Macht ausstrahlt. „Die Anbetung des Teufels und des Stellvertreters des Teufels grĂŒndet sich allein auf der brutalen Macht.“ (Robertson)

5. Die LĂ€sterungen des Tieres

Offenbarung 13, 5-6

Offenbarung 13, 5-6
Und es wurde ihm ein Maul gegeben, das große Worte und LĂ€sterungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, 42 Monate lang zu wirken. Und es tat sein Maul auf zur LĂ€sterung gegen Gott, um seinen Namen zu lĂ€stern und sein Zelt und die, welche im Himmel wohnen.

  1. Große Worte und LĂ€sterungen reden: ‚GotteslĂ€sterer‘ ist fĂŒr diesen Endzeitdiktator vielleicht ein treffenderer Titel als ‚Antichrist‘ Dieses Tier ist ein Mensch, der gegen Gott und alles spricht, wofĂŒr Gott steht (seinen Namen, sein Zelt und die, welche im Himmel wohnen).
    1. Einige römische Kaiser haben Gott auf diese Weise gelĂ€stert. Sie erfĂŒllten diese Prophezeiungen nicht, deuteten aber auf die endgĂŒltige ErfĂŒllung hin.
  2. Und es wurde ihm Macht gegeben, 42 Monate lang zu wirken: Ohne, dass Gott eingreift, handelt das Tier 42 Monate lang weiter – also die genannten dreieinhalb Jahre. Diese Zeitperiode zeigt, dass das Tier in der ersten HĂ€lfte der letzten sieben Jahre die volle Herrschaft innehat und dass es wĂ€hrend der gesamten Zeit noch unter Gottes AutoritĂ€t steht.
  3. Warum lĂ€stert das Tier denen, die im Himmel wohnen? Das bedeutet, dass das Tier seine Stimme gegen diejenigen erhebt, die entrĂŒckt wurden und daher außerhalb seiner Reichweite sind.

6. Das Tier fĂŒhrt Krieg gegen die Heiligen

Offenbarung 13, 7-8

Offenbarung 13, 7-8
Und es wurde ihm gegeben, Krieg zu fĂŒhren mit den Heiligen und sie zu ĂŒberwinden; und es wurde ihm Vollmacht gegeben ĂŒber jeden Volksstamm und jede Sprache und jede Nation. Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes, das geschlachtet worden ist, von Grundlegung der Welt an.

  1. Und es wurde ihm gegeben, Krieg zu fĂŒhren mit den Heiligen: Offenbarung 12 beschreibt das schreckliche Ausmaß der Verfolgung durch den Satan wĂ€hrend der Zeit der TrĂŒbsal. Die Regierung des Tieres wird all jene verfolgen und töten, die sich weigern, vor dem Tier niederzufallen und es anzubeten.
  2. Um sie zu ĂŒberwinden: Überwinden bedeutet nicht, dass das Tier den Glauben der Heiligen besiegen, aber dass er ihr physisches Leben zerstören und allem Anschein nach der Sache des Volkes Gottes auf der Erde ein Ende machen kann.
    1. Wer sind diese Heiligen, die von dem Tier ĂŒberwunden werden? Die unterschiedlichen Ansichten von Theologen ĂŒber den Zeitpunkt der EntrĂŒckung lassen auch verschiedene Schlussfolgerungen zu. Diejenigen, die an eine EntrĂŒckung vor der Zeit der TrĂŒbsal glauben, sagen, dass diese Heiligen das Volk Gottes sind, das erst nach der EntrĂŒckung der Gemeinde zu Christus findet. Diejenigen, die an eine EntrĂŒckung nach der Zeit der TrĂŒbsal glauben, sagen, dass diese Heiligen das komplette Volk Gottes sind, also die heutige ‚Kirche‘, die sich vor der endgĂŒltigen EntrĂŒckung auf der Erde befindet.
    2. Jesus sagte ĂŒber die Gemeinde, dass die Pforten des Totenreiches sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen werden (MatthĂ€us 16, 18). Wenn diese Gemeinschaft der Heiligen (ein Begriff, der nicht ausschließlich auf die neutestamentliche Gemeinde angewendet wird) von Satan ĂŒberwunden werden kann, ist sie vielleicht nicht die neutestamentliche Gemeinde, von der Jesus sprach.
  3. Alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten: Dieser letzte große Diktator wird von der ganzen Erde Anbetung fordern und empfangen. Aber diejenigen, die ihn anbeten, zahlen den Preis: Sie sind es, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens.
    1. Wie werden alle, die auf der Erde wohnen 
 es anbeten? Wahrscheinlich auf eine Ă€hnliche Art und Weise, wie es die römischen Kaiser in den Tagen der frĂŒhen Gemeinde forderten. Damals mussten alle Bewohner des Reiches Weihrauch vor einer Kaiser-Statue verbrennen und dabei ausrufen: Der Kaiser ist Herr. Christen weigerten sich, dies zu tun und wurden deswegen verfolgt. WĂ€hrend die Römer dies als Ausdruck der politischen LoyalitĂ€t verstanden, sahen die Christen darin zurecht einen Akt religiöser Verehrung. In Anbetracht der schrecklichen totalitĂ€ren Herrscher des 20. Jahrhunderts (Lenin, Stalin, Hitler, Mao) kann man sich unschwer vorstellen, dass ein dominierender WeltfĂŒhrer solche LoyalitĂ€tserklĂ€rungen verlangen wird, die der Anbetung sehr Ă€hnlich sind.
    2. Das Buch des Lebens enthĂ€lt die Namen aller Erlösten Gottes (Offenbarung 20, 15). Der Gedanke dahinter ist, dass die Anbetung des Tieres und der Eintrag des eigenen Namens ins Buch des Lebens sich gegenseitig ausschließen.
  4. Das Lamm, das geschlachtet worden ist, von Grundlegung der Welt an: Dieser zutiefst bedeutungsvolle Titel Jesu erinnert uns daran, dass Gottes Plan der Erlösung bereits feststand, noch bevor er die Menschen, die erlöst werden sollten, ĂŒberhaupt erschaffen hatte. Gott wurde weder durch den Fall Adams noch durch irgendeinen anderen Beweis fĂŒr die gefallene Natur des Menschen â€šĂŒberrascht‘.Gott denkt sich das nicht aus, wĂ€hrend er handelt. Es lĂ€uft alles nach einem bereits vorher erdachten Plan ab.
      1. Gott der Sohn hatte vor der Grundlegung der Welt eine Beziehung der Liebe und Gemeinschaft zu Gott dem Vater (Johannes 17, 24).
      2. Das Werk Jesu wurde vor Grundlegung der Welt ersehen (1. Petrus 1, 20).
      3. Gott wĂ€hlte seine Erlösten vor Grundlegung der Welt (Epheser 1, 4).
      4. Namen sind im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an geschrieben (Offenbarung 17, 8).
      5. Das Himmelreich ist seit Grundlegung der Welt fĂŒr die Erlösten vorbereitet (MatthĂ€us 25, 34).

7. Eine Warnung an alle

Offenbarung 13, 9-10

Offenbarung 13, 9-10
Wenn jemand ein Ohr hat, der höre! Wenn jemand in Gefangenschaft fĂŒhrt, so geht er in die Gefangenschaft; wenn jemand mit dem Schwert tötet, so soll er durchs Schwert getötet werden. Hier ist das standhafte Ausharren und der Glaube der Heiligen!

  1. Wenn jemand ein Ohr hat, der höre: Dies ist ein ernstes Wort der Warnung, das die Aufmerksamkeit aller Zuhörenden auf sich ziehen soll.
  2. Wenn jemand in Gefangenschaft fĂŒhrt, so geht er in die Gefangenschaft: Das bedeutet, dass die Handlanger des Tieres nicht ungestraft bleiben. Obwohl diese Dinge prophezeit werden und Teil von Gottes vorherbestimmtem Plan sind, schmĂ€lert das nicht im Geringsten die persönliche Verantwortung jedes Menschen. Wer fĂŒr das Tier arbeitet und andere in Gefangenschaft fĂŒhrt, wird auch selbst in die Gefangenschaft gehen. Gott wird jeden mit dem Maß messen, das er an andere angelegt hat.
    1. Eine zusĂ€tzliche Bedeutung könnte sein: Es gibt keine Hoffnung im Kampf gegen den Antichristen. Der einzige Weg zum Sieg ist ein unerschĂŒtterlicher Glauben und das Ausharren in Jesus.
  3. Hier ist das standhafte Ausharren und der Glaube der Heiligen: Obwohl sie von dem Antichristen und seinen AnhĂ€ngern bösartig angegriffen werden, mĂŒssen die Heiligen Gottes den festen Glauben an die letztendliche Gerechtigkeit Gottes bewahren. Er wird ihre Verfolger schließlich selbst verfolgen.

B. Das Tier, das sich aus dem Land erhebt

1. Johannes‘ erste Beschreibung dieses zweiten Tieres

Offenbarung 13, 11

Offenbarung 13, 11
Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen, und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm und redete wie ein Drache.

  1. Und ich sah ein anderes Tier: Diese Kreatur stellt jemanden wie das Tier dar, das aus dem Meer aufsteigt, denn beide werden mit demselben Wort ‚Tier‘ bezeichnet. Gleichzeitig ist dieses Tier aber auch anders.
    1. Sie sind unterschiedlichen Ursprungs, denn das eine kommt aus dem Meer, das andere aus der Erde.
    2. Sie unterscheiden sich in ihrem Rang, weil das Zweite dem Ersten untergeordnet ist (bewirkt, dass die Erde 
 das erste Tier anbetet, Offenbarung 13, 12).
    3. Sie unterscheiden sich im Aussehen, da das Zweite ein mildes, Aussehen hat, gleich einem Lamm.
  2. Und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm: Die zwei Hörner könnten darauf hindeuten, dass dieses Tier in zwei Bereichen AutoritĂ€t hat, z. B. religiöse und politische AutoritĂ€t. Oder es steht einfach fĂŒr die zwei Hörner, die LĂ€mmer ĂŒblicherweise haben (zwei Hörner gleich einem Lamm).
  3. Und redete wie ein Drache: Trotz seiner Erscheinung, in der es einem Lamm gleicht, ist die Botschaft des zweiten Tieres die gleiche wie die des ersten Tieres.
    1. Dieses zweite Tier wird der falsche Prophet genannt (Offenbarung 16, 13; 19, 20; 20, 10). Es ist also jemand, der sich vom ersten Tier (dem Antichristen) und dem Drachen (Satan) unterscheidet.
    2. Mit dem Drachen, dem Tier, das aus dem Meer aufsteigt, und dem Tier, das aus dem Land aufsteigt, haben wir eine unheilige Dreifaltigkeit. Der Drache ist der Anti-Vater, das Tier, das aus dem Meer aufsteigt, ist der Anti-Christus, und das Tier, das aus der Erde aufsteigt, ist der Anti-Heilige Geist.

2. Die ‚Stellenbeschreibung‘ des zweiten Tieres

Offenbarung 13, 12-15

Offenbarung 13, 12-15
Und es ĂŒbt alle Vollmacht des ersten Tieres aus vor dessen Augen und bringt die Erde und die auf ihr wohnen dazu, dass sie das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Und es tut große Zeichen, sodass es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabfallen lĂ€sst vor den Menschen. Und es verfĂŒhrt die, welche auf der Erde wohnen, durch die Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben sind, und es sagt denen, die auf der Erde wohnen, dass sie dem Tier, das die Wunde von dem Schwert hat und am Leben geblieben ist, ein Bild machen sollen. Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres einen Geist zu verleihen, sodass das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten.

  1. Es ĂŒbt alle Vollmacht des ersten Tieres aus: Das Tier, das aus der Erde aufsteigt, ist im Wesentlichen ein satanischer Prophet, der die Welt dazu bringt, das Tier und den Drachen anzubeten.
    1. Es mag unvorstellbar scheinen, dass die ganze Welt beginnt, einen Menschen und den Teufel anzubeten. Jedoch haben Menschen seit jeher einerseits eine unverkennbare Sehnsucht nach dem ÜbernatĂŒrlichen, rebellieren aber andererseits leidenschaftlich gegen Gott. Die Menschheit möchte nicht die Abschaffung von Religion, sondern ihre eigene Religion. Das Reich Gottes soll kommen, aber bitte ohne Gott.
  2. Es tut große Zeichen: Das Tier, das aus dem Meer steigt, tut die ‚Zeichen und Wunder‘, die seine falsche Lehre untermauern. Ein spezifisches Wunder des falschen Propheten wird hier beschrieben: Es lĂ€sst sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabfallen vor den Menschen. Es ist wichtig, dass Johannes genau dieses Wunder hervorhebt. In den Augen der verfĂŒhrten Welt antwortet er auf das Wunder der zwei Zeugen, die in dieser Zeit dienen und vom Antichristen und seinem falschen Propheten verfolgt werden (Offenbarung 11, 5). FĂŒr die verfĂŒhrte Welt fĂ€llt dieser falsche Prophet damit in die gleiche Kategorie wie Elia (1. Könige 18). Wir können uns den falschen Propheten bildhaft vorstellen, wie er sagt: „Lasst dem wahren Gott mit Feuer antworten“ und dann sein trĂŒgerisches Wunder vollbringt.
    1. „Es gibt eine ĂŒbernatĂŒrliche Macht, die gegen Gott und die Wahrheit ist, so wie es eine Macht fĂŒr Gott und die Wahrheit gibt. Eine einfache Wundertat stammt nicht unbedingt von Gott. Schon immer gab es in der Welt das teuflische ÜbernatĂŒrliche, das neben dem göttlichen ÜbernatĂŒrlichen existiert, das zu Gnade und Rettung fĂŒhrt.“ (Seiss)
    2. In den Tagen der Sklaverei und des Auszugs aus Ägypten
      vollbrachte Aaron Wunder, die Ägyptens Magier bis zu einem gewissen Punkt genauso nachmachen konnten (2. Mose 7-9).
    3. In 4. Mose 13, 1-5 warnt Gott sein Volk bereits, dass es ĂŒbernatĂŒrliche Zeichen und Wunder im Namen falscher Propheten und Götzen geben wird. Er fordert sein Volk auf, immer nach der Botschaft des WundertĂ€ters zu fragen und sich nicht allein von Taten verfĂŒhren zu lassen.
    4. Jesus sagte, dass einige die Wunder taten – sogar in seinem Namen – falsche Nachfolger seien und in der Hölle umkommen wĂŒrden (MatthĂ€us 7, 22-23).
    5. Weiter sagte Jesus voraus, dass in der Endzeit falsche Propheten auftauchen und große Zeichen und Wunder zeigen wĂŒrden, um zu verfĂŒhren (MatthĂ€us 24, 24).
    6. Paulus sagte, dass der Antichrist unter Entfaltung aller betrĂŒgerischen KrĂ€fte, Zeichen und Wunder kommen wird (2. Thessalonicher 2, 9).
    7. Angesichts dieser Warnungen ist es erschreckend, wie viel Wert einige Christen auf Zeichen und Wunder legen. Manche sagen oder denken sich: „Durch Zeichen und Wunder kann man wirklich erkennen, wo Gott in seiner Macht am Wirken ist.“ Allerdings öffnet man sich so der Gefahr, getĂ€uscht zu werden. Vor vielen Jahre gab es eine große, ĂŒberkonfessionelle Konferenz mit genau diesem Ansatz: Auf einem riesigen Transparent ĂŒber der BĂŒhne stand der Slogan „Einheit durch Zeichen und Wunder“. Solch einer Gemeinschaft könnten sich auch der Satan, der Antichrist und der falsche Prophet problemlos anschließen. Es wird Zeichen und Wunder unter Christen geben, aber die wahren Beweise von Gottes Wirken sind Liebe und Wahrheit.
  3. Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres einen Geist zu verleihen, sodass das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten: Das Tier, das von der Erde aufsteigt, wird ein trĂŒgerisches, lebendiges Bild schaffen, das zum Zentrum der Anbetung des Tieres wird.
    1. Es mag uns vielleicht seltsam erscheinen, dass die ganze Welt das Bild eines Menschen mit solch einer Hingabe verehrt, aber die Personenkulte totalitĂ€rer Regierungen im zwanzigsten Jahrhundert sind ein gutes Beispiel fĂŒr diese Art der Anbetung. Denken wir nur an totalitĂ€re Staaten wie die Sowjetunion oder das kommunistische China und ihre allgegenwĂ€rtigen Bilder von Stalin oder Mao – und schon sehen wir einen Kult, der letztlich durch den Antichristen perfektioniert wird.
    2. Das Bild des Tieres hat gewissermaßen eine Seele, weil es einen Geist hat und reden kann. Egal, ob das Bild nun ĂŒbernatĂŒrlich oder technisch animiert ist, das Ergebnis wird beeindruckend sein. Der Psalmist verspottete die Götzenanbeter, weil die Götzen der Heiden Silber und Gold sind, das Werk von Menschenhand. Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen haben sie, und sehen nicht (Psalm 135, 15-16). Dieses Bild des Antichristen wird eine andere Art Götze sein, denn das Bild des Tieres redete sogar, und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten.
    3. Dieses Götzenbild ist es, wovon Jesus, Daniel und Paulus als GrĂ€uel der VerwĂŒstung sprachen (Daniel 9, 27; MatthĂ€us 24, 15 und 2. Thessalonicher 2, 3-4). Es steht an der heiligen StĂ€tte eines wiederaufgebauten Tempels und ist ein GrĂ€uel im Sinne von höchster Götzenverehrung. Ebenso bringt es VerwĂŒstung, da es das letzte Gericht mit seinen Siegeln, Posaunen und Schalen auslöst.
    4. Dies fasst die Herrschaft des Antichristen zusammen, dessen AutoritĂ€t nach zweiundvierzig Monaten bereits wieder endet (Offenbarung 13, 5). Sie markieren die Halbzeit der letzten sieben Jahre der Herrschaft des Menschen ĂŒber diesen Planeten. Die Macht des Antichristen endet so schnell wie sie ihren Höhepunkt erreicht hat.
    5. Dies ist keine neuartige Auslegung dieser Passage. Der erste Kommentar, den wir zum Buch der Offenbarung haben und der von Victorinus in der Urgemeinde geschrieben wurde, sagt ĂŒber Offenbarung 13, 15: „Er wird auch bewirken, dass ein goldenes Bild des Antichristen in den Tempel zu Jerusalem gestellt werde und dass der abtrĂŒnnige Engel hineingehe und von dort Stimmen und Orakel ausspreche.“

3. Die wirtschaftliche Strategie des ersten Tieres und des zweiten Tieres

Offenbarung 13, 16-17

Offenbarung 13, 16-17
Und es bewirkt, dass allen, den Kleinen und den Großen, den Reichen und den Armen, den Freien und den Knechten, ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat oder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.

  1. Es bewirkt, dass allen 
 ein Malzeichen gegeben wird: Unter der Regierung des Tieres und seines GefÀhrten werden alle ein Malzeichen erhalten. Ohne das Zeichen kann man nicht an der Wirtschaft teilnehmen (niemand kann kaufen oder verkaufen, als nur, welcher das Malzeichen hat).
    1. Da das altgriechische Wort fĂŒr Zeichen (charagma) im Allgemeinen nicht in Bezug auf Menschen verwendet wird, wurde es von vielen als rein symbolisches Zeichen aufgefasst. Aber ein physisches Zeichen, das zum Kauf oder Verkauf benötigt wird, ist sicherlich denkbar und praktikabel.
    2. Das technische Know-How, Menschen mit einem Zeichen zu markieren, das es ihnen ermöglicht, ĂŒber den elektonischen Weg Dinge zu kaufen und zu verkaufen, ist bereits vorhanden. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie das konkret aussehen könnte, und solche Programme werden stĂ€ndig vorgeschlagen und getestet.
  2. Ein Malzeichen auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn: Satan ist kein schöpferisches Wesen. Alles, was er tun kann ist Gott nachzuahmen. So ĂŒberrascht es nicht, dass auch dies eine satanische Parodie auf etwas ist, das Gott tun wird: Es ahmt Gottes Malzeichen an seinem Volk nach (Offenbarung 7, 3-4).
  3. Die Zahl seines Namens: Dies war ein in der Antike ĂŒblicher Begriff. Im Griechischen (und auch im HebrĂ€ischen) wurde Buchstaben ein numerischer Wert zugewiesen, wie z. B. ‚A‘ gleich 1, ‚B‘ gleich 2 usw. Zum Beispiel lautet ein Graffiti in den Ruinen von Pompeji: „Ich liebe sie, deren Zahl 545 ist“.

4. Die Zahl des Tieres

Offenbarung 13, 18

Offenbarung 13, 18
Hier ist die Weisheit! Wer das VerstÀndnis hat, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666.

  1. Seine Zahl ist 666: Können wir herausfinden, wer das Tier ist indem wir den Zahlenwert eines Namens ausrechnen und sehen, ob er 666 ergibt? Mithilfe dieser Methode wurden bereits viele Kandidaten als Antichrist vorgeschlagen, wie z. B. der Papst oder das Papsttum, John Knox, Martin Luther, Napoleon, Hitler, Mussolini, Stalin usw. Aber die Schemata zur EntschlĂŒsselung der Zahl des Tieres sind ebenso verwirrend wie endlos.
    1. „So wie 12, die Quadratwurzel aus 144, die Zahl Gottes ist, so ist 25 die Quadratwurzel aus 666, der Zahl des Antichristen; und durch diesen rĂ€tselhaften Ausdruck wird uns gelehrt, dass der Antichrist eine politische Instanz sein muss, die von der Zahl 15 in derselben Weise bestimmt wird wie Gottes Gemeinde von der Zahl 12.“ (Poole)
    2. „Das Jahr des Untergangs Roms wird von einigen auf 1666 datiert. Klar, sagen manche: Satan wird 1000 Jahre gefesselt sein; 666 ist die Zahl des Tieres; der Antichrist wird so lange herrschen; diese beiden zusammen ergeben die richtige Zahl.“ (Trapp)
    3. „Hier ist die Lösung dieses RĂ€tsels: Wer einen Sinn fĂŒr solche Untersuchungen hat, der finde ein Reich, das genau der Zahl 666 entspricht, denn dieses muss unfehlbar der Name des Tieres sein. Nur H Latinh basileia, Das lateinische Königreich, hat diese Zahl.“ (Clarke)
    4. Einige Kommentatoren stellten heraus, dass es sechs römische Ziffern gibt (I, V, X, L, C und D). ZÀhlt man sie alle zusammen, erhÀlt man 666. Einige nehmen dies als Hinweis darauf, dass der Antichrist ein Römer sein wird. Oder sie weisen darauf hin, dass alle Zahlen von 1 bis 36 zusammen 666 ergeben. Das Tier im bösen Sinne erscheint 36 Mal in der Bibel.
  2. Es ist die Zahl eines Menschen: Eine Auslegung, die sich besonders in der frĂŒhen Gemeinde hartnĂ€ckig hielt war, dass diese Zahl Kaiser Nero als den Antichristen identifiziere. Allerdings muss man, um den Namen ‚Kaiser Nero‘ passend zu machen, eine abweichende Schreibweise der griechischen Form eines lateinischen Namens nehmen, die in hebrĂ€ische Buchstaben umgeschrieben wird.
  3. Es ist die Zahl eines Menschen: Die griechischen Buchstaben ‚Jesus‘ ergeben zusammen 888. 666 kann ein satanisches GegenstĂŒck zum Namen Jesu sein, oder 666 kann Gottes Bewertung eines solchen satanischen GegenstĂŒcks sein – eine sehr vage Auslegung.
    1. Im Gegensatz zur Zahl 888 könnte die Zahl 666 fĂŒr eine unheilige Dreifaltigkeit stehen, eine menschliche und dĂ€monische Nachahmung Gottes, die von Natur aus hinter dem Vollkommenen und Wahren zurĂŒckbleibt. Sieben ist die Zahl der Vollendung und TotalitĂ€t, und die Zahl 6 reicht nicht ganz an die 7 heran.
  4. Seine Zahl ist 666: Oder die Zahl 666 verweist auf Salomons Lohn: 1. Könige 10, 14 besagt, dass Salomo jĂ€hrlich sechshundertsechsundsechzig Talente Gold erhielt. Vielleicht deutet dies darauf hin, dass der Antichrist, wie Salomo, ein guter Mensch ist, der sich verfĂŒhren lĂ€sst.
    1. Moderne Auslegungen zum Antichristen sind voll von der Vorstellung eines DÀmonenkindes, das von Geburt an offensichtlich vom Bösem gekennzeichnet ist, wie etwa in den Omen-Filmen. Aber der Antichrist kann jemand sein, dessen Boshaftigkeit erst nach seinem Aufstieg zur Macht zum Vorschein kommt.
  5. Seine Zahl ist 666: Christen brauchen sich vor der Zahl 666 nicht in aberglĂ€ubischer Weise zu fĂŒrchten; dennoch ist es interessant zu sehen, wie die Welt in gewisser Weise mit dieser Zahl verbunden ist – wie etwa bei Dingen wie Hustensaft der Marke ‚666‘.

5. Die beiden Tiere sind satanische Nachahmungen. Uns wird ein falscher ‚Christus‘ und ein falscher ‚Johannes der TĂ€ufer‘ prĂ€sentiert, die den falschen Gott unterstĂŒtzen. Satan kann nicht erschaffen, aber er kann durch Nachahmung effektiv tĂ€uschen

  1. „TĂ€uschungen waren in der Geschichte der Gemeinde und der Welt immer die schlimmsten Gefahren. Der letzte Versuch des Teufels, die Herrschaft ĂŒber das Volk zu erlangen, wird daher ein entsetzlicher Versuch der Nachahmung und TĂ€uschung sein.“ (Morgan)
  2. TĂ€uschungen und Imitationen funktionieren gerade deshalb, weil sie sehr Ă€hnlich sind; wenn es einen offensichtlichen Unterschied gĂ€be, wĂ€re es leicht, diesen zu erkennen. Wir mĂŒssen aufpassen und mit dem Echten vertraut sein.
  3. Anstatt uns also zu fĂŒrchten und uns zu viel mit dem Antichristen und seinen TĂ€uschungen zu beschĂ€ftigen, sollten wir uns als Christen lieber fĂŒr den Wahren interessieren und uns auf ihn konzentrieren: Jesus Christus.

© 2022 The Enduring Word Bible Commentary by David Guzik.

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