Skandalon

by | Jan. 18, 2026 | Blog, Wöchentliche Andacht

Er sprach aber zu den Jüngern: Es ist unvermeidlich, dass Anstöße [zur Sünde] kommen; wehe aber dem, durch welchen sie kommen! (Lukas 17,1)

Am Ende des vorigen Kapitels erzählte Jesus die Geschichte von Lazarus und dem reichen Mann. Ein Punkt dieser Geschichte war, dass die Ewigkeit real ist und niemand aus der jenseitigen Welt zurückkommen wird, um uns zu helfen. In Anbetracht dessen müssen wir verstehen, wie wichtig es ist, andere Menschen richtig zu behandeln. Der reiche Mann behandelte Lazarus schrecklich (Lukas 16,19-22) und litt deswegen für alle Ewigkeit.

Das war die Geschichte, die Jesus im Kopf hatte, als er zu seinen Jüngern über Anstöße [zur Sünde] sprach. Im Kontext kann man davon ausgehen, dass Jesus „echte“ Anstöße [zur Sünde] meinte – also Situationen, in denen Menschen einander wirklich Schaden zufügen, und nicht nur oberflächliche Anstöße, wie manche Menschen sie heute empfinden. Es geht um echten Schaden, der einem anderen Menschen zugefügt wird.

Das im Neuen Testament verwendete Wort für Anstöße [zur Sünde] ist „skandalon“ und leitet sich vom Wort für einen gebogenen Stock ab – den Stock, der die Falle auslöst oder den Köder beinhaltet. Es wurde auch für einen Stolperstein verwendet, etwas, über das Menschen stolpern.

In der Bibel ist ein Skandalon manchmal etwas Gutes, das falsch verstanden wird – z. B., wenn Menschen über Jesus „stolpern“ und sich über das Evangelium ärgern (Römer 9,33, 1 Korinther 1,23, Galater 5,11).

Aber unter Brüdern und Schwestern in Jesus ist ein Skandalon etwas Schlechtes. Es kann ein falscher Rat sein (Matthäus 16,23) oder etwas durch das man seinen Bruder durch seine „Freiheit” zur Sünde verleitet (Römer 14,13). Trennungen und falsche Lehren bringen ein Skandalon unter Gottes Volk (Römer 16,17).

Jesus nahm die Anstöße [zur Sünde] ernst und betrachtete sie nicht oberflächlich, sondern sagte: Es ist unvermeidlich, dass Anstöße [zur Sünde] kommen. Es ist lässt sich nicht vermeiden, dass Menschen einander verletzen, beleidigen und Schaden zufügen. Das war schon immer so. Wenn jedoch jemand einem anderen Menschen Schaden erheblichen zufügt, kümmert sich Gott darum und wird diesen Menschen zur Rechenschaft ziehen.

Als Jesus sagte: wehe aber dem, durch welchen sie kommen! meinte er damit: „Die Menschen werden den Köder schlucken – aber wehe dir, wenn du ihnen den Haken hinhältst. Die Menschen werden stolpern – aber wehe dir, wenn du ihnen das Hindernis in den Weg legst.“ 1 Johannes 2,10 beschreibt einen Weg, um nicht zum Skandalon für andere zu werden – Liebe: Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und nichts Anstößiges ist in ihm. Wenn wir unseren Bruder lieben, werden wir ihm keinen Anstoß geben.

Das ist eine Lektion, die die Gemeinde  in den Jahrhunderten auf schmerzhafte Weise gelernt hat, als viele Christen es als ihre Pflicht ansahen, Gott zu „helfen“ und das jüdische Volk dafür zu verfluchen, dass es den Messias abgelehnt hatte. Ich glaube, dass der Fluch auf die Gemeinde zurückfiel und sie mehr denn je darunter litt.

Hier ist ein Grundsatz, nach dem man leben sollte: Wenn jemand reif dafür zu sein scheint, von Gott gerichtet oder gezüchtigt zu werden, dann lass Gott das tun. Halte dich zurück. Gott braucht dich nicht als Werkzeug seines Gerichts, sondern nur als Werkzeug seiner Liebe.

Klick hier, um Davids Kommentar zu Lukas 17 zu lesen

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