Wenn Jesus die Führung übernimmt

by | Apr. 5, 2026 | Blog, Wöchentliche Andacht

Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher! Und sogleich wurde der Mensch gesund, hob seine Liegematte auf und ging umher. Es war aber Sabbat an jenem Tag. (Johannes 5,8-9)

Die Überreste vom Teich Bethesda (Johannes 5,1-9) befinden sich heute in Jerusalem, nördlich des Tempelbergs. Ausgrabungen haben ergeben, dass er fünf Säulenhallen hatte, genau wie Johannes es beschrieben hat (Johannes 5,2). Um diesen Teich herum drängten sich zahlreiche leidende Menschen. Sie warteten darauf, dass ein Engel herabkam und das Wasser aufwirbelte – denn sie glaubten, dass der Erste, der nach dem Aufwirbeln ins Wasser stieg, geheilt werden würde. Wir wissen nicht, ob das Heilungsversprechen wahr, oder nur eine hoffnungsvolle Legende war; dennoch glaubten die Menschen daran.

Als Jesus an einen Brunnen außerhalb von Sychar kam, sandte er seine Jünger ins Dorf, um etwas zu essen zu holen. Nachdem die Jünger gegangen waren, führte Jesus ein erstaunliches Gespräch mit einer Samariterin. Jesus stellte diesem gelähmten Mann, dem er am Teich begenete, eine ungewöhnliche Frage: „Willst du gesund werden?“ (Johannes 5,6). Jesus wusste, dass nicht jeder Kranke geheilt werden möchte und dass manche so verzweifelt sind, dass sie jede Hoffnung verloren haben. Jesus hatte es mit einem Mann zu tun, dessen Herz vielleicht genauso verkümmert war wie seine Beine. Deshalb bemühte Jesus sich zunächst darum, den Glauben des Mannes zu heilen.

Manchmal denken wir, dass es, so schlimm unsere derzeitige Lage auch sein mag, immer noch schlimmer kommen könnte. Diese Denkweise kann dazu führen, dass wir uns in unserem gegenwärtigen Elend wohler fühlen, als mutige Schritte zu gehen, die uns in die Freiheit führen könnten.

Doch im Bericht von Johannes erfahren wir, dass der Mann geheilt werden wollte. Seine Antwort (Johannes 5,7) lautete im Grunde: „Ja, ich möchte geheilt werden, aber ich sehe nicht, wie das geschehen soll.“ In seinem Kommentar zum Johannesevangelium beschrieb Calvin die Reaktion des Gelähmten wie folgt: „Der Kranke tut das, was wir fast alle tun. Er beschränkt Gottes Hilfe auf das, was er sich selbst vorstellen kann, und wagt es nicht, mehr als das zu erwarten.“ Das fällt uns leicht. J. B. Phillips schrieb ein berühmtes Buch über dieses Problem mit dem Titel „Dein Gott ist zu klein“. Viele von uns erschaffen sich in ihrem Kopf einen kleinen Gott, einen imaginären Gott, der in vielerlei Hinsicht eingeschränkt ist, während der wahre Gott, der im Himmel herrscht, in keiner Weise eingeschränkt ist.

Jesus hat einfach zu dem Mann gesagt, Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher, und der Mann tat es. Jesus forderte ihn auf, etwas zu tun, wozu er nicht in der Lage war, doch als er sich auf irgendeine unbekannte Weise bemühte, schaffte der Gelähmte es auf wundersame Weise.

Dennoch würde niemand glauben, dass der Mann sich selbst geheilt hat. Bei diesem Wunder übernahm Jesus die Führung. In diesem Fall konnte Jesus nicht dieselben Worte sagen, die er zu vielen anderen gesprochen hatte: Dein Glaube hat dich gerettet. (wie in Matthäus 9,22). 

Am Teich Bethesda übernahm Jesus die Führung und erfüllte die Aufgabe. Wirst du darauf reagieren, wenn Jesus heute die Führung in deinem Leben übernimmt? Bitte Jesus um die Kraft und Gnade, ihm dorthin zu folgen, wohin er dich führt. Entscheide dich jedoch zuerst dafür, dass du durch seine Gnade frei sein wirst, und akzeptiere deinen gegenwärtigen Schmerz nicht einfach, nur weil du daran gewöhnt bist.

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